Sie stehen jetzt am Rande des Amerunger Feldes. Hier bewirtschafteten die Bewohner des ehemaligen Dorfes Amerungen ihre Felder. 1669 wurde die Amerunger Kapelle gebaut und erinnert an den Ort Amerungen, der hier einmal auf etwa fünf Höfen Menschen beheimatet hat. Erstmalig urkundlich erwähnt wurde der Ort bereits 1179. Auch in den Jahrhunderten die folgten tritt der Name Amerungen immer wieder als Freistuhl verschiedener Adelsgeschlechter mit eigener Gerichtsbarkeit auf.
Gegen Ende des 13. Jahrhunderts ist Amerungen, wie viele andere ORte in der hiesigen Umgebung Wüst gefallen – also verlassen worden. Wann und warum die Ortschaft genau verschwunden ist, lässt sich nicht genau feststellen. Um 1430 gab es noch eine Steinkirche, die aber im Laufe der Jahrhunderte verfallen ist. Sie stand wahrscheinlich an der Stelle der heutigen Kapelle, denn man hat in der Vergangenheit des Öfteren menschliche Gebeine in der Nähe der Kapelle gefunden.
Klima ist Dynamik – Klima zwingt zur Anpassung
Wüstungen erinnern uns an die Dynamik der menschlichen Besiedelung und Landnutzung. Nicht immer und überall sind Siedlungen kontinuierlich gewachsen. Nicht überall wird Land, das einstmals urbar gemacht und guten Ertrag gebracht hat, noch immer bewirtschaftet. Neben gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen hat bei diesen Veränderungen immer das Klima eine gewichtige Rolle gespielt, denn auch dieses war über die Jahrtausende der Menschheitsgeschichte einer großen Dynamik unterworfen.
Historische Landnutzung
Die ersten Menschen haben hier schon 4000 Jahre v. Chr. gesiedelt. Im Vorland von Egge und Teutoburger Wald nutzten die Menschen die vergleichsweise milden Klimaverhältnisse der damaligen Zeit. Sie rodeten kleinere Waldflächen und betrieben Ackerbau und Viehzucht. Ab der Römerzeit, das heißt dem 1. Jahrhundert n. Chr., wurde in Deutschland viel Kulturland durch Rodung gewonnen. Diese große Rodungsperiode fällt in die mittelalterliche Warmzeit zwischen dem 9. und 14. Jahrhundert. Damals wurde auch der Ort Amerungen gegründet. Ab dem 15. Jahrhundert gab es die sogenannte Kleinen Eiszeit, sie dauerte bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts an. Das Klima war schlechter und in Ostwestfalen herrschten kriegerische Auseinandersetzungen und die Pest. Viele Siedlungen wurden zerstört oder aufgegeben. Es entstanden Wüstungen, die sich wieder bewaldeten.

