Wandeln und Wandern

Wir nähern uns wieder dem Kloster Dalheim. In etwa 2 km ist die Rundtour abgeschlossen. Genießen Sie die Natur im Tiggesgrund noch einmal in vollen Zügen. Versuchen Sie in der freien Natur zu wandeln, so wie es die Dalheimer Mönche früher im Kreuzgang des Klosters getan haben. Nicht nur Mönche, auch viele große Denker, Philosophen und Literaten haben die Bedeutung des Gehens für ihre Inspiration beschrieben. Die mentale Aktivierung durch das Gehen, wird in vielen Studien auch wissenschaftlich bestätigt. Mäßig intensive Ausdaueraktivitäten wie das Wandern fördern die geistige Leistungsfähigkeit. Beim Gehen werden beide Gehirnhälften aktiviert. Deshalb wird Gehen heute auch immer mehr in der Kreativtechnik eingesetzt. Firmen, die auf die Kreativität ihrer Mitarbeiter setzen, lassen sie während der Arbeitszeit spazieren gehen. Wandern oder Wandeln macht den Kopf frei. Es inspiriert Seele, Geist und Körper. 

Suchen Sie sich für das Ende ihrer Wanderung ein Thema zum Nachdenken. Spüren Sie wie Ihre Gedanken fließen, wenn Sie eher langsam oder schnell gehen, Sie werden merken dass Sie klarer denken, wenn Sie in Ihrem eigenen Rhythmus gehen.

Forstwirtschaft

Von Natur aus wäre das Eggegebirge fast flächendeckend mit Buchenwald bewachsen. Wenn der Mensch sich nicht mehr einmischen würde, entstünden im Laufe der Zeit verschiedene Buchenwaldtypen. Nicht überall im Naturpark stehen aber heute tatsächlich Buchen. Wegen der hohen Ertragsleistung und der geringen Ansprüche sind an vielen Orten seit Ende des 18. Jahrhunderts Fichten gepflanzt worden. Sie bevorzugen feuchte und kühle Standorte und sind wenig Trocken- und Hitzetolerant. Bereits unter den jetzigen Klimabedingungen leidet die Fichte unter Hitze- und Trockenstress. Sie verliert ihre Nadeln, wächst weniger, wird weniger standfest und anfälliger gegen Schädlinge. Im Bereich der Dalheimer Wälder hat sich die Situation in den vergangenen Jahren verschärft. Die Klimamodelle gehen davon aus, dass in Zukunft Niederschläge verstärkt im Winter fallen. Das bedeutet noch mehr Stress für die Fichte. Hier auf der Waldumbaufläche können Sie junge Buchen unter dem Schirm älterer Fichten sehen. Das ist kein natürlicher Prozess gewesen, die Förster haben nachgeholfen. Sie müssen langfristig denken. Die Verjüngung von heute entwickelt sich zu den Wäldern von morgen, von denen wir uns die nächsten Jahrzehnte Stabilität und Ertrag erhoffen. Das Zurückdrängen der Fichte, die Stärkung der Buchen und die Erhöhung der strukturellen Vielfalt soll unsere Wälder klimafest für die Zukunft machen.

Landwirtschaft nah am Klima

Kaum ein anderer Wirtschaftszweig ist so stark von Temperatur- und Niederschlagsverhältnissen abhängig wie die Landwirtschaft. Landwirte können zwar mit modernen Methoden auch unter ungünstigen klimatischen Bedingungen wirtschaften, aber ohne entsprechendes Wetter können sie ihre erhofften Erträge nicht erzielen.

Die Landwirtschaft ist nicht nur abhängig vom Klima, sie beeinflusst es auch. Besonders in der Tierhaltung, aber in der Pflanzenerzeugung werden je nach Anbaumethode viele klimarelevante Gase ausgestoßen. Maschinen, Düngemittelherstellung, Klimatisierung von Ställen und andere Produktionsprozesse benötigen Energie und setzen Kohlendioxid frei. Methan ist ebenso ein hochwirksames Klimagas. Vier Fünftel des landwirtschaftlichen Methanausstoßes stammen aus den Mägen von Wiederkäuern. Dementgegen leistet die Landwirtschaft auch wichtige Beiträge zum Klimaschutz. Der Anbau von nachwachsenden Rohstoffen ersetzt fossile Energieträger für die Strom-und Wärmeerzeugung und fossile Kraftstoffe. In großen Mengen wird Raps für Biodiesel und Mais für Biogasanlagen angebaut. Im Jahr 2008 wurden deutschlandweit 17 % der Ackerflächen für den Anbau von Energie-und Rohstoffpflanzen genutzt. Auch hier gibt es Kritik. Die intensive Nutzung belastet Böden und Grundwasser, die Fruchtfolgen sind weniger vielfältig. Die zunehmende Konkurrenz von Energiepflanzen- und Lebensmittelanbau erregt Besorgnis, denn die Getreidepreise steigen weltweit.

Entlang des Eggekamms gibt es überwiegend Grünlandwirtschaft und Milchviehhaltung. Diese Nutzung ist an das lokale Klima angepasst. Oft wird aber auch Ackerbau zur Futtermittelproduktion betrieben.

Klimakontraste

Unser Klima wirkt großräumig. Es bildet ganze Landschaften und formt die Vegetation. Unser kühlgemäßigtes Klima gehört, genauso wie das polare Klima der Arktis und Antarktis und das tropische Klima, zu den Makroklimaten.

Von einem Makroklima spricht man, wenn ein Klima über eine Entfernung von mehr als 500 km gleich oder zumindest sehr ähnlich ist.

Das Mesoklima wirkt kleinräumiger. Sie sind gerade aus dem Wald gekommen und auf die freie Fläche herausgetreten. Ganz unabhängig vom aktuellen Wetter haben Sie gespürt, dass sich wichtige Klimafaktoren verändert haben. Scheint die Sonne, ist die Einstrahlung hier auf der Freifläche deutlich stärker und der Wind ist ebenfalls stärker. Bei warmen Wetter ist es hier heißer als im Waldesinneren, bei kaltem Wetter kälter.

Das Mikroklima beschreibt noch kleinräumigere Phänomene. Hier sind Sonne und Schatten und der direkte Einfluss von Wind und Niederschlag entscheidend. Das Mikroklima entsteht zwischen einzelnen Bäumen, Felsen oder den Häusern einer Stadt.

Kaltluft – Zäh wie Honig

Von der Amerunger Kapelle haben Sie einen schönen Blick in das Tal der Altenau. Der Fluss hat sich 50 – 70 m tief in die Hügel des südlichen Eggegebirges gegraben. Rundherum gibt es viele kleine Täler.

Diese Täler transportieren nicht nur Wasser, sondern auch Kaltluft zur Talsohle. Kalte Luft ist schwerer als warme und kann schon bei geringen Geländeneigungen von 1 – 2° talwärts fließen. Voraussetzung ist natürlich, dass nicht zu viel Wind herrscht. Kalte Luft fließt langsamer als Wasser. Stellen Sie sich flüssigen Honig auf einem Löffel vor, dann haben Sie ein gutes Bild von den Fließeigenschaften von Kaltluft. Sie bildet sich über den Wiesen und Feldern, oberhalb des Altenautals. Genauso schnell wie sich am Tag die Bodenoberfläche durch die Sonne erwärmt, strahlt sie die gespeicherte Wärme in klaren Nächten schnell wieder ab. Dabei kühlt sich die Luft in Bodennähe besonders stark ab und sammelt sich im Talgrund. Weil sie hier schlecht abfließen kann, staut sie sich zu einem regelrechten Kaltluftsee auf. Solche Kaltluftseen sind vor allem im Frühjahr und Herbst gut zu sehen. Aufsteigende Nebel, reifbedecktes Laub und Tau auf den Wiesen sind Zeichen der nächtlichen Kälte und Feuchtigkeit.

Historisches Klima

Sie stehen vor der Amerunger Kapelle. Sie stammt aus dem Jahre 1669 n. Chr. und erinnert an den damaligen Ort Amerungen. Dieser Ort wurde 1179 n. Chr. zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts ist Amerungen aber wüst gefallen, also verlassen worden. Um 1430 gab es noch eine Steinkirche. Sie stand wahrscheinlich an der Stelle der heutigen Kapelle. Auch sie ist im Laufe der Jahrhunderte verfallen.

Die ersten Menschen haben hier schon 4000 Jahre v. Chr. gesiedelt. Im Vorland von Egge und Teutoburger Wald nutzten die Menschen die vergleichsweise milden Klimaverhältnisse der damaligen Zeit. Sie rodeten kleinere Waldflächen und betrieben Ackerbau und Viehzucht. Ab der Römerzeit, das heißt dem 1. Jahrhundert n. Chr., wurde in Deutschland viel Kulturland durch Rodung gewonnen. Diese große Rodungsperiode fällt in die mittelalterliche Warmzeit zwischen dem 9. und 14. Jahrhundert. Damals wurde auch der Ort Amerungen gegründet. Ab dem 15. Jahrhundert gab es die sogenannte Kleinen Eiszeit, sie dauerte bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts an. Das Klima war schlechter und in Ostwestfalen herrschten kriegerische Auseinandersetzungen und die Pest. Viele Siedlungen wurden zerstört oder aufgegeben. Es entstanden Wüstungen, die sich wieder bewaldeten.

Wüstungen zeigen die Dynamik der menschlichen Besiedelung und Landnutzung. Nicht überall wird das einst genutzte Land immer noch bewirtschaftet. Neben gesellschaftlichen und politischen Veränderungen hat auch immer das Klima eine wichtige Rolle gespielt.

Witterungs- und Klimazeiger

Hier am Rand des Amerunger Feldes begleitet Sie ein artenreicher Waldrand. Je nach Jahreszeit und Witterungsbedingungen sind die Pflanzen unterschiedlich entwickelt. Zu erkennen ist das an Blattaustrieb, Blüte, Reife der Früchte oder an Verfärbung und Fall der Blätter. Schauen Sie sich die Pflanzen doch einmal genauer an.

Der Einfluss von Wetter, Witterung und Klima auf Wachstum und Entwicklung von Pflanzen und Tieren ist die Lehre der Phänologie. Im Gegensatz zu unserem Kalender der aus vier Jahreszeiten besteht, gibt es im phänologischen Kalender 10 Jahreszeiten. Diese beginnen und enden jedes Jahr zu anderen Zeiten, je nachdem wann typische Zeigerpflanzen eine bestimmte Entwicklungs- und Wachstumsphasen haben. Im phänologischen Kalender gibt es Vorfrühling, Erstfrühling, Vollfrühling, Frühsommer, Hochsommer, Spätsommer, Frühherbst, Vollherbst, Spätherbst und Winter. Die Phänologie ist eine Verknüpfung der Biologie und Klimatologie. In Europa werden seit 1882 phänologische Erhebungen einheitlich erfasst. In Deutschland erfasst der Deutsche Wetterdienst (DWD) seit 1951 phänologische Daten aus über 1.300 Messstationen.

Die Erhebungen sind wichtig, um den Klimawandel und seine Folgen zu beschreiben. Für die vergangenen 40 Jahre lassen sich für Sauerland und Weserbergland Verschiebungen der phänologischen Phasen nachweisen. Schneeglöckchen und Holunder beginnen eine Woche früher zu blühen, Holunderbeere und Winterweizen sind zwei Wochen früher reif. Der Sommer ist um eine Woche kürzer als noch vor wenigen Jahrzehnten.

Wetter – Witterung – Klima

Jeder von uns kennt die drei Begriffe Wetter, Witterung und Klima. Was bedeuten sie?

Das Wetter ist das kurzzeitige Zusammenwirken von Temperatur, Niederschlag, Bewölkung, Wind und Luftdruck an einem Ort. Es kann sich über Stunden ändern. Die Wetterlage ist der Zustand der Atmosphäre in einem größeren Gebiet und zu einem bestimmten Zeitpunkt. Die Wetterlage kann sich von Tag zu Tag mehr oder weniger stark verändern.

Die Witterung ist das Wetter an einem Ort über einen Zeitraum von mehreren Tagen oder Wochen betrachtet. Witterungen sind zum Beispiel der Altweibersommer oder die Tauwetterperiode um Weihnachten. Der heiße Sommer im Jahr 2003 hinterließ in unseren Wäldern eindeutige Spuren, ein Ergebnis der Witterung. Der Orkan Kyrill im Januar 2007 war ein Extremwetterereignis.

Das Klima ist der für eine Region typische jährliche Ablauf der Witterung. Wichtige Klimakennwerte sind die statistische Jahresmitteltemperatur oder Extremwerte. Die Kennzeichnung eines Klimas sollte auf möglichst langjährigen Wetterbeobachtungen beruhen. Typisch für das Klima, also das jahrelange Zusammenspiel von Temperatur, Niederschlag und Feuchtigkeit, sind die Buchenwälder in Teutoburger Wald und Eggegebirge.

Alte Bäume

Das Klima und einzelne Witterungsereignisse beeinflussen das Wachstum eines Baumes und hinterlassen dadurch ihre Spuren im Holz. In unserer gemäßigten Klimazone fördert beispielsweise warmes und nasses Wetter im Sommer das Baumwachstum. In trockenen und heißen Sommern wachsen die Bäume weniger.

Haben Sie schon mal die Jahrringe eines Baumstumpfes gezählt? Hier am Arboretum steht eine Baumscheibe, an der Sie die unterschiedliche Breite der Jahrringe studieren können. Sie geben Auskunft über das Verhältnis von Temperatur und Niederschlag. Durch die Untersuchung mehrere Bäume ergeben sich oft gleiche Wachstumsmuster woraus dann Jahrringkalender erstellt werden. Jahrringe sind eine biologische Datenbank. Die Wissenschaft von deren systematischer Analyse heißt Dendrochronologie. In den Natur- und Geowissenschaften spielt die Dendrochronologie eine große Rolle bei der Rekonstruktion historischer Klima- und Lebensbedingungen. Aber auch Archäologen und Kunstwissenschaftler nutzen Jahrringkalender um historische Fundstücke, wie zum Beispiel Musikinstrumente oder Werkzeuge jahrgenau zu datieren.

Kleine Eiszeit – Großes Kloster

Vor rund 550 Jahren wurde mit der Gründung des Augustiner Klosters in Dalheim der Grundstein für eine der bedeutendsten Klosteranlagen Westfalens gelegt. In den drei Jahrzehnten nach der Klostergründung wurde eine vollständig neue Klosteranlage gebaut. Um 1500 lebten im Kloster Dalheim 24 Mönche und 100 Laienbrüder. Bis zur Säkularisation und der Aufhebung des Klosters 1803 galt Dalheim als das geistliche, aber auch wirtschaftliche Zentrum des südlichen Paderborner Landes.

Wenn Sie sich heute im Museum ein Bild vom klösterlichen Leben machen, sollten Sie wissen, dass das Klima zur Zeit der Augustiner Chorherren anders war als heute. Die Entwicklungsphase des Klosters deckt sich mit der Phase der so genannten Kleinen Eiszeit. Damals war es im Jahresmittel rund 1 °C kälter als heute. Die Winter waren in der Regel sehr kalt und dauerten lange an, die Sommer waren nasskalt. Die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen waren enorm: es gab Missernten, Viehsterben, Hungersnöte und Epidemien. Auch während dieser Zeit reichten die umfangreichen Ländereien des Klosters aus, um den eigenen Bedarf an Nahrungsmitteln zu decken. Weil der damalige Ort Dalheim eng mit dem Kloster verbunden war, profitierte auch er von den wirtschaftlichen Möglichkeiten. Wahrscheinlich deshalb gibt es keine Hinweise auf Hungersnöte in Dalheim während der kleinen Eiszeit. Im Fürstentum Lippe allerdings, nahmen die Beleidigung- und Körperverletzungklagen in dieser Zeit deutlich zu. Es wird vermutet, dass diese erschwerten Lebensbedingungen und die Auseinandersetzungen auch Hintergrund für die Hexenverfolgung waren.